Am 01. Dezember 1991 fand in einem alten Fabrikgebäude auf einem Hinterhof in der Prießnitzstraße eine Ausstellung „BLAU“ statt – der Beginn einer nunmehr 30jährigen Geschichte über alle Höhen und Tiefen, die ein Kulturverein erleben kann. Ein Anlass zum Feiern, auch wenn durch Corona die Planungen sehr schwierig sind. Wir werden dennoch übers Jahr verteilt ganz besondere Veranstaltungen kreieren bis es am 01. Dezember 2021 einen Festakt gibt.

Veranstaltungsreihe „1991 / 2021 – 30 Jahre Blaue Fabrik“

30. April – Crime Jazz Orchestra performed „Häxan“ – Stummfilmabend mit Livemusik

1. Dezember – Festakt Blaue Fabrik

 

Ein kurzer Abriss unserer Geschichte (mehr HIER).

Auf die (private) Gründung der freien Galerie „Blaue Fabrik“, die sich schnell zum Szene-Treffpunkt entwickelte, in der auch heute international renommierte Künstler und Galeristen ausstellten, folgte 1996 die Insolvenz.
Doch aus den Ruinen der Galerie und dem in den Vorjahren gewachsenen künstlerischem Netzwerk erhob sich 1996 die „Künstlervereinigung blaueFABRIK“, die 1997 als Verein eingetragen wurde. In den Folgejahren wurde die Blaue Fabrik zum Hotspot der freien Szene: mit Konzerten, Theaterprojekten, Tanzimprovisationen und Ausstellungen, oft genreübergreifend miteinander verbunden, machte sie sich einen Namen weit über die Neustadt hinaus. Mit der Gründung des „blueLAB“ 2001 nutzte sie frühzeitig die Möglichkeiten des Medium Internet und leistete Pionierarbeit mit in Echtzeit mit einander verbundenen Kunstprojekten in verschiedenen Städten. Auch das bis heute älteste und kontinuierlichste Projekt der Blauen Fabrik – das jeden Herbst statt findende „Festival Frei Improvisierter Musik“ – entstand in dieser Zeit.
2005 erhielt sie in Anerkennung ihrer besonderen künstlerischen Leistungen den „Kulturförderpreis Dresden“ und erstmalig die institutionelle Förderung für 2006.

Die sie im Folgejahr wieder verlor: im Verein fand ein „Generationenwechsel“ statt und die Antragsfristen wurden verpasst. Nachdem sich die Gründergeneration (maßgeblich Hanne Wandtke und Hartmut Dorschner) aus dem Verein zurück gezogen hatten stand der Verein 2008 kurz vor der Auflösung. Und erfand sich wieder neu: ein (zunächst ehrenamtlicher) Geschäftsführer wurde bestellt, ein öffentliches Vereinsbüro direkt an der Prießnitzstraße eingerichtet, eine Homepage auf CMS eingerichtet (vorher gab es nur eine etwas chaotische Galerie-Seite auf der die anderen Veranstaltungen irgendwie mit untergebracht waren).  Die Räume wurden für Nichtmitglieder geöffnet und wurden so wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Es kamen neue Mitglieder und mit ihnen neue Projekte – wie z.B. seit 2011 die „In Sessions with…“ des „Jazzkollektiv Dresden“ oder die „Offene Bühne Dresden“. 2012 wurde mit der Ausstellungsreihe [parablau] die mittlerweile brachliegende Galerie-Tradition neu belebt.

Nachdem sich die Blaue Fabrik so bis 2012 wieder als wichtiger Kulturort etabliert hatte, was auch im ersten Bericht zur Kreativwirtschaft in Dresden besonders hervor gehoben wurde, folgte 2013 die zweite Beinahe-Auflösung des Vereins: das Grundstück war bereits 2010 an eine Eigentümergemeinschaft, zu der auch einige Vereinsmitglieder gehörten, verkauft worden. Die großen Pläne, die man 2009 noch gemeinsam hatte, lösten sich stückchenweise in Luft auf und aus den angedachten „Rettern“ wurden die Totengräber der Kultur: Veranstaltungen wurden immer mehr eingeschränkt, zum Ende hin fast ganz unmöglich. Die dringend notwendige Sanierung des Gebäudes wurde hingegen nicht angegangen, Angebote des Kulturamtes zur Vermittlung ausgeschlagen. Die Bauaufsicht verlor nach drei Jahren, in denen die Neueigentümer faktisch nichts für die Sanierung des Gebäudes unternahmen, die Geduld mit der zwar seit der Wendezeit tolerierten aber dennoch baurechtlich fragwürdigen Situation und untersagte 2013 die Nutzung vollständig.

Die Blaue Fabrik ging nun für 3 Jahre ins „Exil“ und organisierte Veranstaltungen an anderen Orten, wie der „Veränderbar“ oder dem Projekttheater. 2014 bis 2016 bezog es Räume in einem an sich nicht geeigneten Verwaltungsgebäude hinter der Post auf der Königsbrücker Straße. Vom Publikum fast nicht zu finden und nur mit einem sehr kleinen  Veranstaltungsraum. Eine Notlösung, ohne die der Verein nicht überlebt hätte.

2016 eröffnete die Blaue Fabrik dann in – zumindest aus unserer Sicht – idealen Räumen im noch stehenden Seitengebäude des alten „Leipziger Bahnhofes“. Die Bauaufsicht sah dies allerdings anders und so mussten 2017 bis 2019 umfangreiche Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Glück im Unglück: die Maßnahmen mussten komplett vom Eigentümer finanziert werden, da sie völlig unabhängig von unserer Nutzung gefordert wurden.

2019 (am 28. April) konnte  die Blaue Fabrik (in Anwesenheit des Baubürgermeisters) dann wieder eröffnet werden.

Nach diesen Turbulenzen – zu denen auch die Todesfälle von Walter Battisti (2018 und bis 2013 Mitglied der Blauen Fabrik) oder Lutz Fleischer (Mitgründer der Galerie 1991, der 2019 am Lagerfeuer in unserem Garten friedlich einschlief) gehörten – überstand die Blaue Fabrik das „Corona-Jahr“ 2020 dann auch noch. Und nun bereiten wir uns auf die nächsten 30 Jahre vor.