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Geschichte 2018-05-05T12:28:48+00:00

Geschichte der Blauen Fabrik

1991 – 2008
Die Blaue Fabrik als Kulturort und spätere Künstlervereinigung gibt es seit der Wendezeit. 1991 führten Thomas Haufe, Lutz Fleischer und Sigrid Walter die Räumlichkeiten einer seit den 1970er Jahren bestehenden Modellbauwerkstatt im Hinterhof der Prießnitzstraße 44-48 einer künstlerischen Nutzung als Galerie zu. Sie gaben dem Ort auch den Namen „Blaue Fabrik“. Die „Gründerväter“ tranken nach ihren Aktionen gerne Eibauer Bier und die auf den Bierdeckeln abgebildete blaue Brauerei, der Bezug zum „Blauen Reiter“ und den „blue notes“ des Blues und Jazz soll sie zum Namen inspiriert haben.

Der jetzige Träger, die „Künstlervereinigung blaueFABRIK e. V.“, ist 1996/97 (1996 Anmietung der Räume der ehemaligen Galerie, 1997 Vereinsgründung) entstanden. Einige der Gründungsmitglieder waren u.a.: Frau Prof. Hanne Wandtke (Tänzerin), Isolde Matkey (Dramaturgin), Uwe Kraus (Komponist), Dr. Günter Heinz (Posaunist), Matthias Macht (Schlagzeuger) und Hartmut Dorschner (Komponist).
Die ersten Aktivitäten des neuen Vereins waren: jeden Donnerstag das „Konzert am Kamin“ – eine Improvisations-Werkstatt, initiiert von Matthias Macht und Hartmut Dorschner -, die Tanzimprovisation mit Palucca-Schülern von Hanne Wandtke, die Konzerte der „Krause Dorschner Musikkompagnie“ mit neuer komponierter Musik unter Anwesenheit der Komponisten und das „Festival frei improvisierter Musik“ (Günter Heinz).
Dazu gab es monatliche Ausstellungen im Bereich der bildenden Künste.

Im Jahr 2000 wurde von Jo Siamon Salich (Video-Medienkünstler), Hartmut Dorschner und der Computerfirma „dialogic“ das „blueLAB“ als erstes Dresdner Interface-Labor in der blauenFABRIK gegründet. Es ist eine interaktive Arbeitssituation und Experimentallabor für computergestützte Kunst, in der Tanzperformances, Installationen und interaktive Konzerte erarbeitet werden, welche europaweit aufgeführt wurden (z.B. Ars Electronica in Linz, Strassbourg und Salzburg). Das blueLAB ist auch ein Brückenschlag zum Festspielhaus Hellerau, wo gemeinsame Produktionen mit der CynetArt und dem Zentrum der europäischen Künste entstanden sind.

Eine Zeitlang gab es auch „Das Festival bedrohter Art“ – ein genreübergreifendes, von Hartmut Dorschner initiiertes Festival mit Künstlern aus der Region, wie Günter Baby Sommer, Jens Uwe Sommerschuh, Friedrich Schenker, Dietmar Diesner u.a. – das „Festival Indischer Musik“ (Leitung: Mario Faust) und die Theaterbrigade von Antje Grüner und Christian Schmidt.
Zwischen diesen vergleichsweise großen Projekten gab es viele kleinere Veranstaltungsreihen, wie Beteiligungen am Tanzherbst, Tanzplan Dresden und der Sächsischen Tanzwerkstatt, Examens- Konzerte und Ausstellungen, Proben und Konzerte der „Neuen Dresdner Kammermusik“, der „Sinfonietta Dresden“, des „Ensemble Courage e.V.“, des Trio Elole u.a.

Die Blaue FAbrik wurde neben dem blueLAB auch von anderen Künstler als Arbeitsraum genutzt. So gab es den Schlagzeugprobenraum von Jörg Ritter (NYUTO) und die Maler Christopher Simpson (GB) und Walter Battisti (Italien) hatten hier ihre Ateliers.
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Blauen Fabrik befanden sich die „Fortuna Werkstätten“ mit Atelier, Kleinverlag und Druckwerkstatt von Dirk Fröhlich, der in der Vergangenheit viele Projekte zusammen mit bzw. in der Blauen Fabrik realisierte.

2005 wurde die blaueFABRIK mit dem Kulturförderpreis der Stadt Dresden ausgezeichnet.

Nach dem Rücktritt des Vorstandes um Hanne Wandtke und Hartmut Dorschner herum und dem Weggang einiger Vereinsmitglieder fiel der Verein 2007 in eine Krise und stand kurz vor der Auflösung.

2008-2013
Mit der Wahl der Tänzerin und Choreografin Valentina Cabro und der Bestellung des (zunächst ehrenamtlichen) Geschäftsführers Holger Knaak begann die Umstrukturierung des Vereins. Ein öffentlich zugängliches Vereinsbüro mit regelmäßigen Sprechzeiten wurde eingerichtet, Chaos in der Vereinsverwaltung und Buchführung beseitigt,  interne Vereinsstrukturen neu ausgerichtet, die alte Homepage erst grundlegend überarbeitet und 2011 eine moderne Homepage auf CMS-Basis erstellt.
Die Räume in der Prießnitzstraße wurden einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wodurch sich die Blaue Fabrik schnell wieder belebte und zahlreiche neue Projekte etablierten.

An Stelle der Tanzimprovisation von Hanne Wandtke traten Kurse und Workshops der Tänzerin und Choreographin Kerstin Dietze sowie eine von Valentina Cabro geleitete Contact-Improvisation. Seit 2011 fanden regelmäßig Flamenco-Kurse statt.
2009 wurde die „blaueBÜHNE“ als Plattform für junge Künstler, insbesondere im Bereich Jazz und frei improvisierter Musik aber auch aus anderen künstlerischen Genres, gegründet.
Vom Herbst 2009 bis Frühjahr 2013 nutzte die „Offene Bühne Dresden“ jeden letzten Sonntag im Monat die Blaue Fabrik.
2011 wurde in Kooperation mit dem „Jazzkollektiv Dresden“ die „In Session with…“ begründet, auf der alle 14 Tage vor allem Studenten der Musikhochschule jammen.
2012 wurde die Ausstellungsreihe [parablau] ins Leben gerufen, in der seitdem Dutzende Künstler aus der Region, Deutschland und dem europäischen Ausland bis hin nach Russland ausstellten.

Seit 2010 erhält die Blaue Fabrik institutionelle Förderung der Landeshauptstadt Dresden und wurde 2011 im ersten Bericht zur „Kultur- und Kreativwirtschaft in Dresden“ 2011 als ein wichtiger Ort für zeitgenössische Kunst  mit überregionaler Bedeutung besonders hervorgehoben.

2013-2016
Da sich in dem schon 1991 sanierungsbedürftigem Gebäude die bauliche Situation kontinuierlich verschlechterte und auch die (mittlerweile neuen) Eigentümer trotz Hilfsangeboten des Kulturamtes nicht die notwendigen Mittel und Willen aufbrachten die Situation in Kooperation mit der Blauen Fabrik zu beheben, kam es zu Zerwürfnissen zwischen der Blauen Fabrik als Mieter und den Eigentümern. Die Bauaufsicht zog daher im Frühjahr 2013 die Notbremse und untersagte die weitere Nutzung des Gebäudes.
Der Verein, auch intern aufgrund von Interessengegensätzen zerrissen, da einige Mitglieder gleichzeitig Miteigentümer des Grundstückes geworden waren, stand vor der Auflösung.

Diese konnte nur durch den Umzug in eine „Zwischenlösung“, in die an sich eher ungeeigneten Räumlichkeiten in einem DDR Verwaltungsbau hinter der Post auf der Königsbrücker Straße, verhindert werden.
Trotz der aufgrund von Lage, Ausstattung und Ambiente schlechten Ausgangslage, dies sich schnell in stetig zurück gehendem Publikum und aktiven Künstlern manifestierte, konnten hier neue Projekte initiiert werden. Das wichtigste war die 2014 von der EU geförderte deutsch-tschechische Ausstellungsreihe „[parablau]: Dresden / Ústi nad labem“. Der dort entstandene Austausch mit der tschechischen Kunstszene hält bis heute an.

2016 bis heute
Zum 1. September 2016 eröffnete die Blaue Fabrik in der sog. „Grünen Villa“ Eisenbahnstraße 1, 01097 Dresden neu. Dort stehen 15 Ateliers, ein Art-in-Residence-Atelier, ein Gästezimmer, 1 Projektraum von 60 m² und Freiflächen im Außenbereich, sowie ein „Lichthof“ mit 15m Deckenhöhe für öffentliche Veranstaltungen, zur Verfügung. Im Rahmen des vom Verein gestellten Antrages auf Umnutzung des Hauses für öffentliche Veranstaltungen kam heraus, dass das Gebäude aufgrund von längerem Leerstand keinen Bestandsschutz mehr hatte, d. h. der Vermieter jedwede Nutzung des Gebäudes neu beantragen und umfangreiche Brandschutzmaßnahmen hätte durchführen müssen. Diese Maßnahmen wurden vom Vermieter in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro RKA seit Frühjahr November 2017 durchgeführt. Von November 2016 bis Oktober 2017 konnten die Räume daher mit Duldung der Bauaufsicht nur eingeschränkt genutzt werden, seit November 2017 ist nur eine eingeschränkte nicht-öffentliche Nutzung des EG möglich.
Zum Sommer 2018 soll die normale Nutzung in EG und OG wieder aufgenommen werden.